#42: Die Hütchenspieler

Tunnelblick Nr. 42Die Bahn wusste schon Monate vor der Volksabstimmung im November 2011, dass der Kostendeckel für Stuttgart 21 gesprengt wird. Dies zeigt eine bahninterne Risikoliste vom März 2011. Doch anstatt ihre Kostenberechnung zu aktualisieren, erklärte die Bahn die Liste zur Verschlusssache.
Inzwischen liegt das Papier den »Ingenieuren 22« vollständig vor. Die projektkritischen Fachleute haben die Risiken bewertet und für sie steht fest: Das Budget war schon zum damaligen Zeitpunkt überzogen. Und es kann noch viel schlimmer kommen.

Tunnelblick 42 (Webausgabe)
Tunnelblick 42 (Druckdatei)

Das Geheimnis der »Kostenexplosion«

Rund 3 Milliarden Euro Kosten und eine Risikovorsorge von 1,45 Milliarden Euro – das war die Grundlage des Finanzierungsvertrags zu Stuttgart 21, den die Projektpartner im April 2009 unterschrieben haben. Doch diese Zahlen basierten auf fünf Jahre alten Kalkulationen. Schon vier Monate nach Vertragsunterzeichnung »entdeckte« die Bahn urplötzlich Kostensteigerungen in Höhe von 1,5 Milliarden Euro, die den Kostendeckel von 4,5 Milliarden gesprengt hätten.
Schnell wurden 981 Millionen Euro zu Einsparpotenzial erklärt – und schon war man mit gut 4 Milliarden Euro wieder im Finanzierungsrahmen. Erst Ende 2012 bezog die Bahn die Kostenrisiken wieder in ihre Kalkulation ein und verkaufte
der Öffentlichkeit Zahlen, die sie selbst schon seit Langem kannte, als unerwartete Neuigkeit.

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