#45: Verzockte Heimat

Tunnelblick 45Wer heute durch Stuttgart läuft, stößt an jeder zweiten Ecke auf eine Großbaustelle. Absperrungen, Baumaschinen, Baugruben, Lastwagen versperren den Weg. Damit verbunden sind Gestank, Lärm und Verschmutzung. Überrascht stellt man fest: Da war doch vor kurzem noch ein Gebäude! Und stand hier nicht eine Sitzbank? Weg sind die ausladenden Bäume, die hier im Sommer Schatten und Kühle spendeten. Was machen die Baustellen, was macht diese Zerstörung mit den Menschen?

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4 Gedanken zu „#45: Verzockte Heimat

  1. Geboren in Stuttgart hatte ich zu meiner Heimatstadt bis zum Jahre 2010 eine innige Beziehung. Ich fühlte mich wohl in dieser Stadt mit ihrer besonderen Topografie und den vielen Stäffele, die leider zunehmend verkommen. Mit den facettenreichen Aussichtspunkten und dem schönen Schlossgarten. Ich konnte mit dem Fahrrad von meinem Wohnbezirk in Zuffenhausen, fast ohne mit den großen Verkehrsstraßen in Berührung zu kommen, durch die Parks bis zum Schlossplatz radeln. Heute kann ich mich mit dieser Stadt nicht mehr identifizieren, sie ist mir fremd geworden, weil sie sich mit exorbitanter Geschwindigkeit in einen menschenverachtenden Moloch verwandelt hat. Ich werde auch nicht mehr lange in dieser Stadt wohnen.

  2. Oh Heimatland.
    Wenn die dummen Stuttgarter nur mal endlich schnallen würden, dass sie in 20 Jahren einen vierzig Jahre alten und darüber hinaus kriminell gefährlichen Lombagruscht kriegen…
    Wie sagte neulich ein bekannter Architekt:
    “S21 ist, wie wenn jemand, der sein Leben lang auf dem Killesberg in einem Bungalow mit bis auf den Boden verglasten Fenstern und schönstem Blick ins Grüne und auf Bäume gelebt hat, plötzlich Mitte 60 in den Keller zieht, weil ihm ein Immobilienhai gesagt hat, das sei jetzt modern.
    Und der sich jetzt ein Loch in die Kellerdecke sägt und ein Scherenfernrohr aufstellt, damit er immer noch sieht, wie gut er früher gelebt hat.”
    Großes Kompliment für einen wiederum äußerst notwendigen und äußerst guten Tunnelblick.

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